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Infos zu Propylenglykol - was so bei Google zu finden ist
Kirsten Offline
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Beitrag #1
Infos zu Propylenglykol - was so bei Google zu finden ist
Mal ein Beitrag der etwas anderen Art zum Thema Informationen googeln ... Wink

Wer dort nach Propylenglykol (PG) sucht, stößt als erstes auf Dutzende Seiten mit immer demselben Inhalt:

Zitat:... Propylene Glykol: Eine kosmetische Form des Mineralöls, die man aber auch in automatischer Brems- und Hydraulikflüssigkeit sowie in industriellen Frostschutzmitteln findet. In Haut- und Haarpflegeprodukten wirkt Propylenglykol als Feuchthaltemittel, d.h. der Feuchtigkeitsgehalt von Haut oder kosmetischen Produkten bleibt aufrechterhalten, weil Propylenglykol das Entweichen von Feuchtigkeit oder Wasser verhindert. Werkstoff-Sicherheitsdatenblätter warnen die Benutzer vor Hautkontakt mit Propylenglykol, da es die Haut stark reizt (Kontaktdermatitis) und zu Leberanomalien und Nierenschäden führen kann ...

Wer die Beschreibungen auf Seiten wie biotonus.de/html/gefahrliche-inhaltsstoffe.php kritiklos annimmt, hat nicht gerade eine gute Quelle gefunden. Sie schreiben keine tatsächlichen Lügen, sondern verpacken ihre panikmachenden Schlagworte geschickt in "eventuell" oder "kann möglicherweise" und packen dazwischen ein paar alte Bekannte wie Asbest und Dioxin (aus der Papierproduktion früherer Zeiten, hat nichts mit heutigen Kosmetika zu tun), damit die anderen Punkte ebenso gefährlich wirken.

Eine Seite, die erst sehr manipulativ mit den Ängsten der Verbraucher spielt, um dann als Erlösung die eigenen, natürlich "total unschädlichen" Produkte unter die Leute zu bringen, hat handfeste finanzielle Interessen: Verkauf und Werben von Teilnehmern am Multilevel-Marketing.
Das ist keine seriöse Informationsquelle.

Wenn man aus der Auflistung nur ein paar markante Schlagworte nimmt, stößt man auf Hunderte Seiten mit identischem Text. sie heißen Biotonus, harmonisches Feng Shui, Natric, Gesundheitsvorsorge, Zentrum der Gesundheit usw, aber eines haben sie alle gemeinsam - nach spätestens 2 Klicks stößt man auf Neways, ein MLM-Unternehmen, das überteuerte Kosmetik-Produkte verkauft.

Was in ihren eigenen Cremes und Shampoos drin ist, erfährt der Kunde nicht so genau.

" das exklusive ... Hydracial-System. Das Hydracial-System basiert auf der völlig neuen, revolutionären Tri-Ceutical™ Technologie ... kostbare Inhaltsstoffe ... "

Unsinnsvokabeln mit pseudowissenschaftlichem Touch ...




Lasst uns doch mal ansehen, was diese Informationsquellen wirklich aussagen ...

Eine kosmetische Form des Mineralöls

Es gibt keinen einzelnen Stoff namens Mineralöl. Das ist ein vager Oberbegriff wie "Raubtier". Dazu gehört der Pekinese vom Nachbarn genauso wie der Tiger im Dschungel. Aber es wird natürlich sofort der Tiger assoziiert. Und so fällt unter "Mineralöl" Kerzenwachs ebenso wie Treibstoffe. Aber es wird automatisch nur an Benzin, Diesel, Kerosin und Heizöl gedacht.
Mineralöl => böse böse!!!

Nur ist PG kein "Mineralöl", auch keine "kosmetische Form" davon (eine völlig inhaltsleere Vokabel). PG ist ein Alkanol, das bedeutet umgangssprachlich Familie der Alkohole.
Was hat es mit Mineralölen gemeinsam? Es ist ein Kohlenwasserstoff, eine Verbindung aus der organischen Chemie - oh, das muss doch gefährlich sein, da haben wir wieder den Tiger!!! Ohmy

Warum heißt es denn "organische Verbindung"?
Weil alle Bausteine des derzeit bekannten Lebens daraus bestehen, Du, ich, die gesamte Tier- und Pflanzenwelt und alles, was wir daraus produzieren. Die organische Chemie ist die Wissenschaft, die sich mit dem Aufbau, der Herstellung und den Eigenschaften der Kohlenstoff-Verbindungen beschäftigt.
Es sind etwa 19 Millionen organischer Verbindungen bekannt. Eine riesige Menge harmloser, guter und nützlicher Verbindungen, eine Anzahl nützlicher, aber auch u.U. gefährlicher Stoffe und diverse andere, die die Welt wirklich nicht braucht, wie z.B. Dioxin, Acrolein, Nitrosamine ...


... in automatischer Brems- und Hydraulikflüssigkeit

Was ist eine "automatische Flüssigkeit"? Richtig - völliger Unsinn. Big Grin
Aber ernsthaft: Nehmen wir das Beispiel der Hydraulikflüssigkeit. In manchen werden Glykole verwendet. "Glykole" ist ein Oberbegriff für die Gruppe der zweiwertigen Alkohole, zu denen auch PG gehört.
Die Hydraulikflüssigkeiten auf Glykolbasis sind besonders umweltfreundlich. Sie sind biologisch sehr gut abbaubar und nicht wassergefährdend. Sie wurden extra für den Einsatz in biologisch kritischer Umgebung (Baumaschinen in Wasserschutzgebieten, Forstmaschinen im Wald, Pistengeräte im Gebirge etc.) entwickelt.
Glykole sind also nicht automatisch schlecht, nur weil sie auch in Hydraulikflüssigkeit vorkommen, sondern die Hydraulikflüssigkeit ist besonders wenig schädlich, wenn sie auf Glykolen basiert.
Wo ist da der Tiger???


in industriellen Frostschutzmitteln

Auch hier wieder eine Wortkombination, die manipulieren soll. Mit dem Adjektiv "industriell" wird suggeriert, dass es ja nur schädlich sein kann.
Industriell hergestellt bedeutet nichts weiter, als dass es in einer Produktionsanlage unter Einsatz von Maschinen hergestellt wurde. Der Gegensatz ist handwerkliche Herstellung. Industrielle Fertigung bedeutet eine bessere Standardisierung und gleichbleibende Qualität bei großen Mengen - das ist nichts Negatives.

Frostschutzmittel ... was ist das eigentlich? Ein Stoff, der dafür sorgt, dass eine auf Wasser basierende Flüssigkeit nicht so schnell gefriert. Unser Trinkalkohol ist ein Frostschutzmittel. Wodka-Cola gefriert nicht so schnell wie Cola allein. Wink

Die Erinnerung an den Glykolweinskandal wird mit dem Schlagwort Frostschutzmittel auf perfide Weise ausgenutzt. Dass damals ein ganz bestimmtes Frostschutzmittel namens Diethylenglykol wegen seines süßen Geschmacks verwendet wurde, wird gern vergessen.
In Frostschutzmitteln (und nebenbei in der Flüssigkeit von Solaranlagen) wird PG verwendet, weil es die ungiftige Alternative zu Ethylenglycol ist!


In Haut- und Haarpflegeprodukten wirkt Propylenglykol als Feuchthaltemittel, d.h. der Feuchtigkeitsgehalt von Haut oder kosmetischen Produkten bleibt aufrechterhalten, weil Propylenglykol das Entweichen von Feuchtigkeit oder Wasser verhindert.

Ist daran irgend etwas Schlimmes? Ich kann keinen Tiger entdecken ... Wink


Werkstoff-Sicherheitsdatenblätter warnen die Benutzer ...

Oh ja, die beliebten Sicherheitsdatenblätter - kaum einer versteht sie zu lesen, deshalb sind sie so gut geeignet, Ängste zu schüren ... Rolleyes

Um eventuell Folgeschäden durch eine schwere PG-Vergiftung zu bekommen, müsste ein Mensch von meinem Körpergewicht ca. 1 bis 1,5 Liter reines PG trinken. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit (zumindest für mich Wink ).

Symptome einer schweren Vergiftung:

a) aschgraue, kalte Arme und Beine
b) kaum tastbarer, schneller Puls (über 100 Schläge pro Minute)
c) Schlecht meßbarer Blutdruck (unter 100 mm/Hg)
d) oberflächliche, schnelle Atmung
e) Ausbleiben einer ausreichenden Urinproduktion (unter 20 ml pro Std.)
f) narkoseartiger Zustand
g) Muskellähmungen

Bei Tieren, die mit fast tödlichen Dosen von PG gefüttert wurden, wurde bei einer Studie der Veterinär-Toxikologie (Uni Zürich) folgendes festgestellt:

4. Sektionsbefunde

Propylenglykolvergiftungen hinterlassen keine spezifischen Veränderungen (Nieren- und Lebernekrosen sind jedoch in einigen Fällen nachweisbar).



Selbst das BfR schreibt zur Inhalation von PG-Dämpfen (PDF Seite 31):

Zitat:Die niederkettigen, mehrwertigen Alkohole sind toxikologisch praktisch unbedenklich. Glyzerin und
1,2-Propylenglykol werden seit Jahren in pharmazeutischen und kosmetischen Präparaten im oralen
und dermalen Anwendungsbereich eingesetzt. Eine inhalationstoxikologische Studie an Ratten, die
für 6 Stunden am Tag über 2 Wochen (5 Tage/Woche) Konzentrationen von 1,4-Butandiol im g/m3-
Bereich ausgesetzt waren, hat eine Gewichtsabnahme und Veränderungen im Blutbild ergeben, die
jedoch reversibel waren. Im Zusammenhang mit einer möglichen Gefährdung von Asthmatikern
durch Diskonebel ist eine Untersuchung von Interesse, in der bei Patienten mit chronischer Bronchitis
bzw. Emphysem nach dem Einatmen eines 10 %igen Propylenglykol-in-Wasser-Aerosols eine leichte,
aber signifikante Erhöhung des Atemwegswiderstandes beobachtet wurde, die allerdings auch durch
ein Salzaerosol hervorgerufen werden konnte

Zur Verdampfung von Ölen schreibt das BfR:

Zitat: Die Verdampfung von Mineralölen, insbesondere von isoparaffinischen Kohlenwasserstoffen
bestimmter Kettenlängen (C8-C14) müssen aus ärztlicher Sicht als außerordentlich bedenklich
angesehen werden. Fein dispergierte Tröpfchen können tief in die Lunge eindringen und dort
im ungünstigsten Fall eine chemische Pneumonitis verursachen.

Eine chemische Pneumonitis ist eine durch Chemikalien verursachte Lungenentzündung. Deshalb warne ich immer so eindringlich, niemals, wirklich nie!!! irgendwelche pflanzenölbasierten Aromen, Duftöl oder andere Flüssigkeiten zu verwenden, die fette Öle enthalten.



Fazit:

Leute, lasst Euch nicht manipulieren durch solche einseitigen, auf Panikmache ausgerichteten "Informationen". Nehmt sie auseinander und schaut Euch den Inhalt genau an. Es wird mit den Ängsten der Menschen gespielt, um ganz andere Interessen zu fördern.

Das einzige, was dagegen hilft, ist Wissen!


Zusammenfassung aus dem Thread [split] Infos zu Propylenglykol?

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A dog is for life, not just for christmas! Schleck
***Keine Beratung per PN, Mail oder Telefon***
04.05.2010 19:00
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