Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Frage zur Reifung
PowerPuffler Offline
Junior Member
**


Newbie F
Beiträge: 20
Registriert seit: Sep 2008
Bewertung 0
Beitrag #1
Frage zur Reifung
Hi,

Ich habe da mal eine Frage zum "reifen" von selbst gemischten Liquids.
Besonders bei Tabakaromen habe ich festgestellt, dass diese sehr lange Reifen müssen, bis der Geschmack stark genug zum Dampfen ist. (10-15 Tage).

Weiss jemand, was der Grund dafür ist ? Was passiert denn genau im Liquid in dieser Reifezeit ? Ich mische jedenfalls immer gut die Liquids durch (Schütteln), sodass die Stoffe direkt nach dem Mischen schon gut miteinander vermischt sein sollten.

Und auch interessant wäre: Kann man die Reifezeit irgendwie verkürzen?

Viele Grüße

pp
09.09.2013 21:30
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
wassermeggi Offline
e-Zigaretten-Chef
*****


Registered+
Beiträge: 4.159
Registriert seit: May 2010
Bewertung 58
Beitrag #2
RE: Frage zur Reifung
Ein sanftes Erwärmen (kurz in die Microwelle, Wasserbad, im Winter die Heizung) soll wohl den Reifeprozess etwas beschleunigen.
Kenne dies aber nur vom Hörensagen, da ich immer ausreichend und rechtzeitig mische.
09.09.2013 21:59
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Simon Offline
-=Flascherlquetscher=-
****


Registered+
Beiträge: 786
Registriert seit: Oct 2011
Bewertung 8
Beitrag #3
RE: Frage zur Reifung
Es gibt immer wieder Diskussionen über das Reifen, was wirklich passiert weiß glaub ich keiner so Recht. Smile

Um die Reifung etwas zu beschleunigen gibt es immer wieder neue Ideen. Wärme scheint eine Wirkung zu haben. Viele Leute gönnen deshalb Ihrem Liquid ein schönes heißes Bad (aber nicht kochend heiß) nach dem Mischen oder eine paar Sekunden in der Mikrowelle (bitte nur mit Glasflaschen und wirklich nur ganz kurz) andere wieder legen ihre Liquids für ein paar Tage auf die Heizung.

Manche schwören darauf dass ein 2 Stunden langes Ultraschallbad 4 Wochen stehenlassen gleich kommt. Andere wieder sagen das beste was es gibt sind Magnetrührer, weil das anscheinend auch die Profis verwenden.
09.09.2013 22:03
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
AlexTM Offline
Super Member
*****


Registered+
Beiträge: 1.870
Registriert seit: Jul 2009
Bewertung 33
Beitrag #4
RE: Frage zur Reifung
Direkt verboten ist es jetzt nicht, die Suchfunktion mal zu benutzen. Da täte sich eventuell was finden lassen.

Man fände zum Beispiel mit ziemlicher Sicherheit einen Verweis auf http://flavourart.hesk.com/knowledgebase.php?article=13
Zitat:This kind of reactions (acetals formation, hydrolisis, esterification, oxidation and many others) are common in the food application, and this explains why winegar, wines, spirits need some maturing time. (Hervorhebung von mir)

Reifung beschleunigen kann man mit Wärme und Durchmischung, letzteres ist normalerweise bei uns Rühren, weil Rüttelbretter etc haben jetzt nicht viele zuhause.
09.09.2013 22:03
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
morsix Offline
Terror-Dampfer
*****


Registered+
Beiträge: 4.350
Registriert seit: Jun 2012
Bewertung 50
Beitrag #5
RE: Frage zur Reifung
Ich hab viel zum Thema Reifezeit verkürzen probiert, vor allem damals, als ich noch viel Tabakaromen verwendet habe (dampfe ich jetzt nur noch selten),

- Ultraschallbad
- Wärme
- Sauerstoffzufuhr
- Schüttel und Rühgeräte

Meine Meinung ist: Alles Vodoo bzw. fauler Zauber. Nichts hat die nötige Reifezeit von 7-20 Tagen für die Tabakaromen (oder das Waldmeister) irgendwie nennenswert verkürzt.

Grüße Rudi
09.09.2013 22:32
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Dampfzeug Offline
GennyPenny-Genießer
*****


Registered+
Beiträge: 2.550
Registriert seit: Oct 2011
Bewertung 27
Beitrag #6
Smile RE: Frage zur Reifung
Am Anfang der Selbstmischerkarriere ist es nicht so schön, am Ende muss man es aber aktzeptieren und stellt sich darauf ein. Dann hat man raus, welche Aromen man so haben muss und eine Reihe von Glasflaschen für die Vorratshaltung in der größeren Version und kleinere für die Experimente.
09.09.2013 23:45
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Flatline Offline
Vaponaut
*****


Registered+
Beiträge: 2.810
Registriert seit: Dec 2011
Bewertung 54
Beitrag #7
RE: Frage zur Reifung
(09.09.2013 22:32)morsix schrieb:  Meine Meinung ist: Alles Vodoo bzw. fauler Zauber. Nichts hat die nötige Reifezeit von 7-20 Tagen für die Tabakaromen (oder das Waldmeister) irgendwie nennenswert verkürzt.

Da sind wir schon zwei die glauben, dass sich Zeit durch nichts ersetzen lässt, nicht durch Joghurtbereiter, Schüttel-, Rührmaschinen und nicht durch die Lagerung im Kühlbecken eines Atomreaktors, oder der heimischen Microwelle.

Mag Aromen geben wo das geht, wer das hoch und heilig schwört wird schon wissen warum... bei meinen Aromen bringt das aber nix... auch Tabak, allerdings welcher der nicht nach Tabak schmeckt, sondern nach Maxx Blend, so wie ich mir vorstelle das es schmecken muß.

Was beim reifen passiert?
Nun ja, es wird besser... mehr weiß ich auch nicht.

Es gibt ja sogar Leute die Menthol reifen lassen, das bringt wiederum mir nix, mir reicht da das Schütteln unter der Zuhilfenahme meines serieneinmäßig eingebauten Armes vollkommen. Deshalb halte ich aber Mentholreifenlasser nicht für Spinner, die werden da schon irgentwas schmecken auf das sie warten.

Am meisten dampf ich aber zur Zeit mit ganz ohne Aroma.
Wer da was von Reifung erzählt hat dann wohl wirklich schlecht geschüttelt. Tongue2

LG
Flaty
10.09.2013 01:14
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Kirsten Offline
Administrator
*******


Administrator
Beiträge: 20.320
Registriert seit: Nov 2007
Bewertung 355
Beitrag #8
RE: Frage zur Reifung
Ich habe mich inzwischen intensiver mit den Vorgängen beschäftigt, die sich abspielen, wenn man Aromen miteinander mischt und sie in einem Medium verdünnt. Die Haupterkenntnis dabei ist - es gibt keine einfache, generell gültige Erklärung, und irgendwie haben alle zusammen recht mit ihren einzelnen Ideen dazu. Big Grin


1) die Vermischung - ein physikalischer Vorgang


Man könnte es als wichtige Vorstufe der Reifung bezeichnen. Sie ist für alle Arten von Liquid identisch, unabhängig vom Aroma.

Zwei Flüssigkeiten werden miteinander vermischt. Die eine enthält eine hohe Konzentration verschiedener Aromamoleküle.
Durch Schütteln werden diese beiden Flüssigkeitsphasen erst einmal nur grob verteilt. Optisch sieht die Lösung zwar schon gleichmäßig gemischt aus, aber tatsächlich sind darin lauter große "Fetzen" der einzelnen Phasen. Je länger wir schütteln oder rühren, desto kleiner werden diese Anteile. Aber wirklich komplett gemischt sind die beiden Flüssigkeiten und ihre Bestandteile erst, wenn alle Moleküle einzeln zwischen den anderen liegen.

Das dauert allerdings eine ganze Zeit. Deshalb kann ein Magnetrührer dabei helfen. Die Flasche immer mal wieder zu schütteln ist aber die preiswertere Alternative. Wink
Wärme beschleunigt die Molekularbewegung und damit die Verteilung auf Molekülebene. Die Mikrowelle ist da etwas schwierig, weil es dabei in der Flüssigkeit immer Hotspots gibt, in denen die Hitze zu groß ist und die Aromamoleküle beeinträchtigt werden können. Ein Wasserbad oder die Heizung ist schonender.

Ist eine homogene Mischung entstanden, hat das Liquid eine gleichmäßige Geschmacksbasis, aber fertig ist es noch nicht. Es hat geschmacklich oft keine Fülle und eventuell scharfe "Spitzen" einzelner Aromabestandteile.



2) Die Reifung - ein chemischer Vorgang

Die chemische Reifung ist sehr von den enthaltenen Aromen abhängig. Auch die Konzentration spielt dabei eine Rolle, ebenso das Vorhandensein eines kleinen Anteils Wasser.

Nach der Verdünnung in PG/VG finden Prozesse wie Umesterung, Oxidation, Hydrolyse und Acetalbildung statt. Manche Aromamoleküle heften sich durch Wasserstoffbrückenbindung an andere an und unterstützen oder mildern deren Wirkung. Der beim Vermischen mit in die Lösung geschüttelte Sauerstoff wird wiederum von anderen Aromastoffen gebraucht, um ihre Wirkung zu entfalten. Am Ende ist aus den ursprünglich noch wahrnehmbaren Geschmacksspitzen der einzelnen Komponenten ein runder Gesamtgeschmack entstanden.

Ein gutes Beispiel ist Waldmeister. Ist das Liquid frisch angesetzt, riecht es streng nach Aceton (Nagellackentferner). Erst nach ca. zwei Wochen ist der typische leckere Waldmeistergeschmack voll da.


Wie lange die Reifung dauert, ist von der Zusammenstellung der einzelnen Aromakomponenten abhängig. Menthol ist verwendbar, sobald die Vermischung richtig abgeschlossen ist. Andere Liquids brauchen Tage bis Wochen.
Wichtig ist zu Anfang eine gute Vermischung - gut gerührt ist halb gereift.
Ein höhere Aromakonzentration braucht etwas länger als ein schwach aromatisiertes Liquid.

Es gibt also kein Patentrezept - im Zweifel lieber noch etwas warten und ab und zu gut schütteln.

Wer sich über die Wartezeit ärgert, kann sich vielleicht damit trösten:
Schon wenig konzentrierte Parfums haben eine Reifezeit von mindestens 3-6 Wochen. Bei teuren, höher konzentrierten Parfums kann die Reifezeit schon mal mehrere Monate betragen.
Dann doch lieber Liquids mischen ... Wink



Das ist jetzt nur eine kurze Zusammenfassung der verschiedenen Informationen, die ich überwiegend aus gedruckten Büchern über Riechstoffe, Aromachemie und Parfumherstellung gewonnen habe. Ich liebe Bücher, aber manchmal haben sie einen entschiedenen Nachteil: Es gibt keine Suchfunktion Laugh



Ein paar lustige OTs am Rande:

Wir haben ja schon aus eigener Erfahrung festgestellt, dass eine höhere Aromakonzentration nicht immer toll schmeckt und manchmal sogar richtig eklig werden kann. Dazu habe ich nette Beispiele gefunden:

Indol (ein Aromastoff in manchen Blüten) hat in höherer Konzentration einen ekelerregenden Geruch nach Kot. In geringer Konzentration riecht es nach exotischen Blumen und reifen Früchten.

Phenylessigsäure konzentriert stinkt nach verrottendem Pferdeurin, und in der richtigen Verdünnung riecht sie nach Honigwaben.

Beta-Ionon ist ein sekundärer Pflanzenstoff (im Öl von zB. Beeren, Veilchen, Tee, Tabak, Tamarinde). Es ist in vielen Liquids enthalten und hat dort einen blumigen, holzig-grün-fruchtigen Geschmack und Geruch. In höherer Konzentration verändert es sich zu herber Zeder, und nimmt man zu viel, soll es einen fiesen Unterton von Gammelfleisch bekommen.


In Anlehnung an Paracelsus könnte man auch sagen: Die Dosis macht das *Bäääh* Tongue2 Big Grin
10.09.2013 01:50
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Petra05 Offline
Lightdampfer
*****


Registered+
Beiträge: 4.707
Registriert seit: Feb 2011
Bewertung 77
Beitrag #9
RE: Frage zur Reifung
Was für eine tolle Ausarbeitung! Echt superklasse recherchiert Kirsten. Smile
60
Weißt Du warum manche - insbesondere Dessertaromen - diesen ekelerregenden Geruch von saurer Milch haben?
Bisher hatte ich den bei Sahne-Rahm, einem Waldmeister Aroma und einem Irish Cream Aroma.
Auch beim Mischen - selbst in gerinsten Dosen - ist der Geruch noch vorhanden und auch wenn man es beim Dampfen nicht schmeckt, so ist für mich der Geruch ein absolutes NoGo. Wacko
10.09.2013 10:59
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
PowerPuffler Offline
Junior Member
**


Newbie F
Beiträge: 20
Registriert seit: Sep 2008
Bewertung 0
Beitrag #10
RE: Frage zur Reifung
Danke Kirsten!! Das hat meine Frage vollumfänglich beantwortet.
10.09.2013 12:41
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste


www.webhostone.de
Dieses Forum läuft atomstromfrei dank WebhostOne