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Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Garmin Offline
Coil- Glühpresser
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Beitrag #31
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Es geht Schlag auf Schlag weiter mit Teil 5, heute noch ein wirklich letztes Mal mit Rechnerei an der Steam Engine. Es muß leider nochmal sein…
Wenn wir das besprochen haben, gehts wirklich ganz praktisch dem Draht an den Kragen.

Heute ist´s sehr viel, das bitte ich zu entschuldigen- und viel für euch um Mitmachen mit der Steam Engine- aber wenn ihr das ohne Kollaps überleben solltet Big Grin, müßtet ihr in der Lage sein nicht nur selbst eure Coils berechnen zu können ohne frustrierendes Herumwickeln und wieder Runterreißen, sondern auch z.B. auswählen zu können, welcher Drahtdurchmesser für euch am besten geeignet ist.

Das heutige Motto ist: Die Feinheiten der Coilberechnung- Weisheiten aus der Küche: Wir kochen uns ein leckeres Liquidsüppchen mit Chilli con Carne- Geschmack… Tongue2

Im vorherigen Beitrag wurde ja gesagt: Der Dampf entsteht nicht im Wattedocht, sondern an der Oberfläche des Drahtes. Je größer die Oberfläche der Coil, desto größer die Verdampfungsoberfläche und umso mehr Dampf entsteht.

Manch einer wird jetzt spontan sagen: Quark, ich zeig euch mal wie ich gaaanz viel Dampf kriege.. Ich nehm diese Allround- Coil vom letzten Mal, bau die einfach auf meine fette neue 100 Watt- Box die ich extra gekauft habe weil ich viiiiiel Dampf will, hau eine gaaanz fluffig- lockere Superteuer- Wunder- Spezialwatte rein und zieh ganz stark und schnell damit nix kokelt, reiß´ die Leistung hoch auf 30 Watt und dann entstehen bestimmt Nebelbänke wie im schottischen Hochmoor…

Nein, geht nicht ohne Weiteres, das ist ein Trugschluß! -

Simulieren wir das doch mal im Coilrechner, dazu ist er ja da:

Leistung (Watt) hoch, gleichzeitig schauen wir ob sich an irgendwelchen Werten im Coilrechner etwas verändert…
Da ändert sich nirgendwo etwas- außer der drastischen Erhöhung des „Heat Flux“ (=Wärmestromdichte), was bedeutet: Die Coil und der Docht werden einfach viel zu heiß- was daran zu sehen ist daß die Farbampel tief im roten Bereich liegt- und es kokelt unausweichlich. Heiß und kokeln ja- aber von „viel Dampf“ keine Spur…

Mehr Watt draufgeben, dann mehr Dampf? - Leider nein… Sehr traurig

Das führt oft zu Frust und Fragen wie „Och menne, hab hier die Ober- Coil gebaut, 0,28mm 8 Wdg. auf 2,5 Bohrer, sieht künstlerisch Super aus, extra 100W- Box gekauft, bringt nicht viel mehr Dampf als meine alte Vamo V5 obwohl ich an der Box 30W draufhaue, und es kokelt immer… Was kann ich gegen das Kokeln tun?“ -
Falsche Frage, denn: Unser Dampferfreund hat was nicht verstanden.

Er dampft bei seinen 30W im roten Farbampel- Bereich, hat aber die gleiche Wicklung mit derselben Oberflächengröße drauf wie vorher auf der 15W- Vamo V5, deswegen kriegt er auch dieselbe Dampfmenge- nur kokelts jetzt eben ständig.
Einzige mögliche Antwort auf seine Frage:
Um was gegen das Kokeln zu tun, geh mit deiner Box runter auf einen grünen Farbampelbereich, sowas wie 15W - 20W, wenn der Liquidfluß stimmt dürfte 20W auch noch gehen, und lebe mit wenig Dampf, wenn du nämlich höher gehst mit der Leistung an deiner Coil wird es immer kokeln. Wenn du aber viel Dampf willst, mußt du dir einfach eine neue Coil mit großer Oberfläche (=hohem Wert für „Surface Area“) bauen….

Daß allein und nur durch eine Erhöhung der Leistung bereits automatisch mehr Dampf entsteht ist ein weitverbreiteter Mythos!
Dabei ist es nur logisch, und aus der Küche bekannt:
Ein gutes, dickes Chilli con Carne z.B. (= unser Liquid) wird im Kochtopf (= Coiloberfläche) erhitzt. Solange der Topf langsam zunehmend erhitzt wird und das Chilli noch nicht den Siedepunkt erreicht hat steigt zwar bei auf mittlerem Wert aufgedrehter Kochplatte (AT mit 15 Watt, Farbampel grün) mehr und mehr Dampf auf bis es kocht- aber wenn es endlich kocht bleibt die Dampfmenge gleich… Mehr geht nicht, denn selbst das Vollaufdrehen der Kochplattenleistung (beim AT auf z.B. 30 Watt, um „endlich mehr Dampf zu kriegen“….) führt nicht etwa zu mehr Dampf, sondern einfach nur zum Anbrennen (= Kokeln).

Die Oberfläche der Coil ist also der „Schlüssel zu mehr Dampf“, sie wird angezeigt im Kasten „Coil“ als „Surface Area“ (= Größe der Oberfläche). Bei unserer Allround- Coil haben wir eine Coiloberfläche von 67 mm^2 (Quadratmillimeter).

Erster Versuch: Wenn wir jetzt mal probehalber in der Steam Engine an den Freistrecken rauf- und runterschrauben (Leg Length (total) sehen wir, daß bei längeren Freistrecken die Coiloberfläche kleiner wird: Weniger Dampf.
Deshalb sollten wir die Freistrecken so kurz wie möglich halten. Wir sehen: Die Steam Engine zeigt uns in der Berechnung genau das, was wir theoretisch von vorhin schon wußten.

Angenommen, wir wollen aber noch mehr Dampf aus unserem Chilli… was können wir tun?
Ganz einfach: Wir nehmen keinen hohen Topf mit recht geringem Durchmesser, sondern eine riesige, sehr flache Pfanne mit großem Durchmesser: Obwohl das Chilli jetzt nur 2cm hoch in der Pfanne steht haben wir eine viel größere Oberfläche auf dem Chilli = die Fläche, aus der Dampf aufsteigt, wird größer- also mehr Dampf…

Jetzt müssen wir nur noch wissen wie wir eine möglichst große Coiloberfläche erhalten. Dazu müssen wir noch einen Wert in der Steam Engine berücksichtigen:
Im Kasten „Results“ die „Heat Capacity“ = Wärmekapazität (Igittigitt…! Was das denn... Tongue ) - ist ganz einfach ausgedrückt die elektrische Energie (die „Watt“…) die der Coil zugeführt werden muß um sie zu erwärmen. Und andersrum ebenso- desto länger braucht sie auch um sich wieder nach dem Feuern abzukühlen… Häääh?- Ohmy

Ganz einfach, wieder aus der Küche: Je größer, voluminöser, riesiger und voller mit Chilli der Kochtopf (=hohe Heat Capacity) auf der Kochplatte , je länger dauert´s auch bis es kocht (=Coil reagiert nach dem Feuern träge, dauert lang bis sie glüht und in Gang kommt), desto mehr Energie muß auch aufgewendet werden bis es kocht, desto höher die Stromrechnung (= geringere Akkulaufzeit)… Aber nach Ausschalten der Kochplatte bleibt der riesige, vollere Topf (=hohe Heat Capacity) dafür auch länger heiß als der kleine mit nur wenig Chilli drin (=niedrige Heat Capacity)…
Und der Riesentopf (=hohe Heat Capacity, = Coil) ist noch sehr heiß, während wir schon gegessen (= Dampf inhaliert und längst wieder rausgeblasen) haben… Dafür dampft´s aber aus dem Riesentopf, der ja eine größere Oberfläche hat, aber auch wesentlich mehr als aus dem kleinen mit seiner kleineren Oberfläche…
OK?

Daraus folgt: Hast du in der Mittagspause nur wenig Zeit (= Zeit vom Drücken des Feuerknopfes bis zum vollen Glühen der Coil soll schnell gehen) und willst außerdem nur ein kleines Tellerchen Chilli essen („Normale Dampfmenge“ reicht dir) ist es herzlich ineffektiv, den ganzen Riesen- 5 Liter- Chillitopf (Riesen- Coil) zu erhitzen, weil´s viel zu lange dauert (Wicklung reagiert träge)… wenn du dir jedoch ein kleines Töpfchen rausschöpfst und das erhitzt geht´s schneller (dünnerer Draht)… Technik- Klugsch**sser sagen:
Der Riesentopf hat eine große, der kleine eine kleine Wärmekapazität, der große braucht länger zum Heißwerden als der kleine mit seiner kleinen Heat Capacity, der große bleibt nach Abschalten der Platte aber auch länger heiß als der große.
Ich höre euch schon sagen: Was quasselt der hier soviel rum, der hat gesagt daß eine große Oberfläche gut ist für viel Dampf- jetzt soll er uns einfach noch sagen ob eine hohe Heat Capacity besser ist als ne niedrige und gut isses… kann ich aber nicht. Big Grin
Ist nämlich ähnlich wie beim Autobauen: Niedriges Gewicht ist gut zum Spritsparen und ermöglicht schnellere Autos, schnellere Autos brauchen aber stärkere, kräftigere Motoren, Bremsen, Fahrwerke und sind massiver gebaut und stabiler… was das Gewicht der Autos wieder steigen läßt… Mist!

Ist ein niedriges Gewicht beim Auto jetzt besser oder schlechter als ein hohes? Weder- noch. Das Gewicht ist halt da, und es kommt drauf an was man will. Wie bei der Heat Capacity… Auch sie ist da, und es kommt drauf an was man will: Schnell reagierende Coil, aber weniger Dampf- oder umgekehrt…

Lösung der Fahrzeugbauer: Wir nehmen einen Computer- Simulator (Steam Engine) zum Fahrzeugbau (Coilbau), und schrauben an dem Simulator (Steam Engine) so lang rum bis wir hohe Leistung (Dampfleistung = große Oberfläche) bei möglichst niedrigem Gewicht (niedrige Heat Capacity) kriegen. Nötigenfalls müssen wir´s mit Hightech- Material (´nen anderen Draht als Runddraht aus Kanthal D) bauen um diese Quadratur des Kreises hinzukriegen, oder eine spezielle Ultra- Leicht- Konstruktion (Parallelwicklung, Zwirbeldrahtwicklung, DualCoilwicklung…) machen.

Das gilt für Rennwägen und PS- Protzer. Uns reicht erstmal ein guter, flotter Mittelklassewagen, und dafür gehen wir Kompromisse ein zwischen Heat Capacity und Oberflächengröße der Coil. -

Übertragen aufs Chilli con Carne: Bevor du vor lauter Zögern welcher der optimale Kochtopf ist verhungerst, nimm halt ´nen mittelgroßen, wird schon passen….

Los geht´s:

Bitte gebt zunächst nochmal die Werte von unserer „Allrounder- Coil“ von Teil 4 ein: Kanthal D, DrahtD 0,28 mm, Coil- InnenD 2,5 mm, gewünschter Widerstand 1,8 Ohm, Wrap Spacing 0 = MC. Mit diesen Einstellungen arbeiten wir jetzt mal iin den folgenden Beispielen. Wir brauchen mit diesem Draht 8 Windungen, erhalten dann eine Coil mit 2,3 mm Länge, Coil-D außen 3 mm, Gesamtlänge Draht 82 mm. Mit hinreichender Genauigkeit über den Daumen gepeilt.
Die folgenden Beispiele sollen nicht wie eine Übung aus alten Schulzeiten klingen- sie sollen nur bestimmte Sachverhalte verdeutlichen.

Wir schauen uns jetzt mal sieben unterschiedlich dicke Drähte an, alle aus Kanthal D. Daraus wollen wir Coils mit MC bauen, zunächst alle mit demselben Widerstand von 1,8 Ohm, auf 2,5 mm Bohrer.-
Frage: a) Welche Länge (Resistance Wire Length) werden diese Drähte haben, b) wie groß ist die Oberfläche (Surface Area) dieser Coils, c) wie lang ist die Coil (Width), d) wieviel Windungen, e) bei wieviel Leistung in Watt ist der Heat Flux ca. bei 200- 230, also grün (heißt: mit welcher Leistung in W kann ich dampfen damit nichts kokelt), f) die Heat Capacity (Wärmekapazität), g) der Leg Power Loss (Freistreckenverlust)? Gebt das mal jeweils in die Steam Engine ein (ihr braucht ja nur den Drahtdurchmesser ändern, zum Heat Flux- Grün suchen gehen wir mit den Pfeiltasten neben den Eingabefelder mit den Watt rauf und runter... Das tolle an der Steam Engine ist, daß man mit den Pfeilen in den Eingabefeldern die Werte wie ein Drehrad rauf und runterregeln kann und nicht eintippen muß- sehr praktisch…), hier sind die Ergebnisse aufgelistet:

1) D= 0,2mm: Draht-L 42mm, O 23mm^2, Coil-L 0,8mm, 4 Wdg., 6 Watt, HC 4,4, LPL 14%

2) D= 0,26mm: Draht-L 71mm, O 53mm^2, Coil-L 1,8mm, 7 Wdg.,13 Watt, HC 13, LPL 8,5%

3) D= 0,28mm: Draht-L 82mm, O 67mm^2, Coil-L 2,2mm, 8 Wdg., 16 Watt, HC 17, LPL 7,3%

4) D= 0,30mm: Draht-L 94mm, O 83mm^2, Coil-L 2,7mm, 9 Wdg., 20 Watt, HC 22, LPL 6,4%

5) D= 0,32mm: Draht-L 107mm, O 101mm^2, Coil-L 3,3mm, 10 Wdg., 24 Watt, HC 29, LPL 5,6%

6) D= 0,34mm: Draht-L 121mm, O 123mm^2, Coil-L 3,9mm, 10 Wdg., 29 Watt, HC 37, LPL 5%

7) D= 0,4mm: Draht-L 168 mm, O 203mm^, Coil-L 6,2mm, 10 Wdg., 47 Watt, HC 71, LPL 3,6%

Prima, dann können wir ja anfangen zu wickeln, oder? Nein, das tun viele an dieser Stelle jetzt- aber die Coils sind noch nicht optimal… wie wir gleich sehen werden.

Zur Erinnerung: Bei allen diesen Drähten: Gleicher Coilwiderstand und Wickeldurchmesser. Was fällt dabei ganz allgemein auf, und was können wir da optimieren?

Je dünner der Draht…
a) um so kürzer ist er (d.h. dünner Draht hat einen höheren Widerstand als ein gleichlanger dicker Draht),
b) um so kleiner seine Oberfläche (logische Umkehr: Je dicker der Draht bei gleichem Widerstand, umso mehr Dampf),
c) um so kürzer die Coil (Nachteile: Umso längere Freistrecken- Energieverluste),
d) um so weniger Windungen,
e) um so weniger Leistung in Watt sind dampfbar (Folge: Wer mit hohen Leistungen dampfen will braucht dicken Draht),
f) um so höher die Heat Capacity: Wicklung heizt bei dünnem Draht schnell auf, und kühlt nach dem Zug schnell runter, d.h. man spart sich das „1-Sek.- Vorfeuern“ oder die „Heat Boost“- Einstellungen, die manche hochwertigere ATs bieten (Umgekehrt bedeutet das: Dicke Drähte sind träge, Vorfeuern erforderlich)
g) um so höher die Leistungsverluste in den Freistrecken. Im ersten Beispiel werden satte 14% Leistung verbraten- verpufft ins nichts… statt in Dampf.

Und jetzt knöpfen wir uns Coil um Coil vor und geben unseren Senf dazu ab:

1) D= 0,2mm: Draht-L 42mm, O 23mm^2, Coil-L 0,8mm, 4 Wdg., 6 Watt, HC 4,4, LPL 14% - Hier mal in aller Ausführlichkeit erklärt. -

Was gefällt: man kann mit sehr niedrigen Leistungen dampfen, aber so mancher moderner, leistungsfähiger AT fängt ja aber erst bei 7W an… das ist knapp. Die Oberfläche ist sehr klein, wir werden daher sehr wenig Dampf erhalten, und die Coil ist nur ein viel zu dünner Strich in der Landschaft was zur Folge hat daß die Freistrecken viel zu lang sind und sehr hohe Leistungsverluste haben, das ist nicht sehr effektiv… Was tun?

Zuerst machen wir mal die Coil länger- ist ja ein Witz daß das Ding 2,5mm Innendurchmesser, aber nur 0,8mm Länge hat… Also mal auf den Abwärts- Pfeil von „Inner Diameter of Coil“ geklickt und darauf achten, was sich in der Coilbreite tut… - Ich fände es optimal, wenn die Coil bei diesem Draht etwa so lang wie dick ist, so daß sie schön gleichmäßig umströmt werden kann, und nehme daher mal Innen-D 1,6mm, dadurch kriegen wir zwar schon 1,1mm Coil-L und 6 Wdg., aber so richtig toll ist das noch nicht…

Äh- wer sagt uns eigentlich, daß wir bei den 1,8 Ohm bleiben müssen?

Drehen wir jetzt doch mal am Target- Resistance (Ohm—)- Regler, wir haben ja einen geregelten AT, dem ist das ja egal…

Voila, wie wär´s damit: D= 0,2mm, Draht-L 56mm, O 31,3mm^2 (!) , Coil-L 1,6mm, 8 Wdg., 8 Watt (!), HC 5,9, LPL 11 (!), bei 2,4 Ohm, auf 1,6mm- Dorn.
Das sieht schon besser aus: Den höheren Widerstand reguliert der AT, die höhere Leistung paßt dem AT auch besser, die Coil wird gut umströmt mit ihrem Längen/Durchmesserverhältnis, der dünnere Docht stört nicht bei diesen geringen Leistungen, wir haben weniger Verluste durch längere Coil und dadurch kürzere Freistrecken und die Oberfläche ist auch größer geworden- also mehr Dampf…

Warum sollte man eigentlich mit einem so dünnen Draht wickeln? Gute Frage… höchstens wenn man auf wenig Dampf und wenig Leistung steht, oder- weil man vielleicht aus Einsteiger- Unwissenheit mal gleich eine 50m- Spule davon gekauft hat, weil man glaubte das reicht und der Draht in so großem Mengen billig war…

Exkurs: In letzterem Fall würde ich was ganz anderes mit dem Draht machen- das erzähle ich ganz am Schluß…

2) D= 0,26mm: Draht-L 71mm, O 53mm^2, Coil-L 1,8mm, 7 Wdg.,13 Watt, HC 13, LPL 8,5% -
Bei diesem Drahtdurchmesser kommen wir so langsam in die Leistungsklasse Vamo V5/Dani Basic bis 15 Watt. Wenn ich so einen AT bis 15 Watt hätte würde ich folgendermaßen optimieren: Erstmal Widerstand lassen, und Coil länger, d.h. Durchmesser kleiner: D= 0,26mm, Draht-L 71mm, O 53mm^2, Coil-L 2,1mm wenn gewickelt auf 2mm- Dorn, 8 Wdg., HC 13, LPL 8,5%.

Wenigstens wird die Coil jetzt vielleicht besser umströmt, was auch positiven Einfluß auf die Dampfmenge haben kann... - Aber immer noch 13 Watt bei 1,8 Ohm- warum nicht am Widerstand drehen, bis wir bei 15 Watt noch im Grünen sind? Also so z.B.:
D= 0,26mm, Draht-L 79mm, O 59mm^2, Coil-L 2,2mm bei 2,2mm- Dorn, 8 Wdg.,15 Watt, HC 14, LPL 7,6%.

3) D= 0,28mm: Draht-L 82mm, O 67mm^2, Coil-L 2,2mm, 8 Wdg., 16 Watt, HC 17, LPL 7,3%.
Für einen Dani Basic oder Vamo V5 die bis 15 Watt gehen würde dieses Setup auf 2,5mm- Dorn gut passen, ohne Optimierung.
Ich würde trotzdem mal mit dem Widerstand höher gehen indem ich eine Windung mehr drauf mache, das vergrößert die Oberfläche etwas und erniedrigt LPL, aber auch den Heat Flux- vielleicht dampft´s trotzdem besser.

Für stärkere AT würde ich versuchen, die Oberfläche zu vergrößern durch spielen mit den anderen Parametern, z.B. so: D= 0,28mm: Draht-L 96mm, O 79mm^2, Coil-L 2,6mm, 10 Wdg., 19-20 Watt, HC 19,8, LPL 6,3%.

4) D= 0,30mm: Draht-L 94mm, O 83mm^2, Coil-L 2,7mm, 9 Wdg., 20 Watt, HC 22, LPL 6,4% , auf 2,5mm- Dorn bei 1,8 Ohm.
Hier gibt´s eigentlich auch nichts zu meckern… Aber was macht man bei ´nem Dani Basic oder Vamo V5 mit 15 Watt? - Wir könnten den Widerstand reduzieren: D= 0,30mm, Draht-L 73mm, O 63mm^2, Coil-L 2,1mm, 6-7 Wdg., 15 Watt, HC 17,4, LPL 8,4% , auf 2,5mm- Dorn bei 1,3-1,4 Ohm. Zum Beispiel…

5) D= 0,32mm: Draht-L 107mm, O 101mm^2, Coil-L 3,3mm, 10 Wdg., 24 Watt, HC 29, LPL 5,6% auf 2,5mm bei 1,8 Ohm. -
Wie man sieht, brauchen wir für diese Drahtdicken schon recht leistungsstarke ATs.
Was aber macht jemand mit ´nem Innokin iTaste SVD 2.0, der ja recht beliebt ist, oder Provari, Dani Extreme? Die gehen nur bis 20 Watt…

Der gleiche Trick wie oben: Widerstand runter durch weniger Windungen: D= 0,32mm, Draht-L 89mm, O 84mm^2, Coil-L 2,7mm, 8 Wdg., 20 Watt, HC 24, LPL 6,7% auf 2,5mm bei 1,5 Ohm.
Wie ihr seht, reduziert sich dadurch die Oberfläche, und der Freistreckenverlust wird leider auch größer- aber man kann dadurch den Draht bei 20 Watt dampfen, und da die Dampfmenge ja auch von anderen Faktoren wie Luftdüsen- Durchmesser abhängt, könnte das Ding trotzdem gut dampfen. Da heißt´s ausprobieren. Das ist ein gutes Beispiel für die schon erwähnten Kompromisse, die man eben leider eingehen muß…

Ich springe jetzt mal gleich auf auf Coil Nr.7- die Coil Nr. 6 könnt ihr euch glaube ich inzwischen selbst ausrechnen… Tongue2

7) D= 0,4mm: Draht-L 168 mm, O 203mm^, Coil-L 6,2mm, 10 Wdg., 47 Watt, HC 71, LPL 3,6%, auf 2,5mm bei 1,8 Ohm.
Eine Coil die viel zu lang ist, die Düse würde nur den Mittelteil der Coil beströmen und dadurch kühlen, dadurch hohe Kokelgefahr an den Coilenden.

Selbst beim Wickeln auf einem 3,5mm- Dorn kommen wir noch auf 4,8mm Coillänge. Für so eine große Coil braucht man schon eine sehr große Luftdüse… Der Lemo hat einen der größten Düsen, 3mm Durchmesser bei offener AFC. Das würde vielleicht noch gehen- aber 47 Watt sind schon eine Hausnummer… Und die Coil ist immer noch sehr lang.

Was tun, wenn wir einen Cloupor Mini 30 Watt, oder einen Sigelei 30W haben? Also wieder der Trick- wir erniedrigen den Widerstand: D= 0,4mm, Draht-L 102mm, O 121mm^, Coil-L 3,2mm, 8-9 Wdg., 30 Watt, HC 43,3, LPL 5,9%, auf 3mm bei 1,1 Ohm.

Vorteil: Unsere Coil ist nicht mehr so träge… Nachteil: Ganz schöner Verlust an Oberfläche. Da der Lemo aber mit seinem Riesen- Luftweg auch gewaltigen direkt- auf- Lunge- Open- Draw- Zug hat, dürfte die gewaltige Luftmenge trotz geringerer Oberfläche trotzdem zu gewaltigen Dampfmengen führen.

Exkurs für die, die noch nicht genug haben…

Ich wollte ja noch einen Tip geben:

Was machen wir, wenn wir nur diesen viel zu dünnen 0,2mm- Draht haben, oder man vielleicht aus Einsteiger- Unwissenheit mal gleich eine 50m- Spule davon gekauft hat, weil man glaubte 0,2mm sei OK, und der Draht vielleicht außerdem in so großem Mengen billiger war? Wohin damit? Zum Wegwerfen zu schade...

Man könnte zwei identische Coils einbauen die parallel geschaltet sind, also DualCoil…
Dadurch halbiert sich der Widerstand, den eine einzelne Coil hat.

Unsere optimierte Single- Coil mit Draht-D 0,2mm sah ja so aus: D= 0,2mm, Draht-L 56mm, O 31,3mm^2, Coil-L 1,6mm, 8 Wdg., 8 Watt, HC 5,9, LPL 11, bei 2,4 Ohm, auf 1,6mm- Dorn.
Wenn wir jetzt zwei identische Coils mit diesen Maßen parallel anklemmen und sie eng nebeneinander schieben würden, so daß sie beide gleichzeitig aus der Düse angeblasen werden, würde sich die Oberfläche schlicht verdoppeln während sich der Widerstand der gesamten Wicklung halbiert.

Wir hätten also 1,2 Ohm, würden mit 16 Watt feuern, und hätten viel mehr Dampf wegen der größeren Oberfläche. [i]Problem: Es ist schwierig 2 Coils mit einer einzigen Düse anblasen zu lassen.


Daher ein Trick:
Wir machen aus unserem 0,2mm- Draht eine Paralleldraht- Wicklung.

Statt mit einem Draht wickeln wir mit zwei Drähten, die sauber nebeneinander liegen, und erhalten einen ähnlichen Effekt wie mit der DualCoil.

Das können wir auch berechnen mit der Steam Engine: Bei „Material and Profile“ auswählen: „Round, twisted/parallel“, Feld „Twist Pitch“ 0 mm (bedeutet: Paralleldraht), bei „Setup“ „SingleCoil“, „Diameter of Wire“ 0,2mm, „Number of Strands“: 2 (=2 Drähte parallel).

Wir erhalten dann z.B. mit unserem dünnen Draht folgendes: D= 0,2mm, Draht-L 56mm, O 62,6mm^2 (!) , Coil-L 2,2mm, 5-6 Wdg., 16 Watt (!), HC 11, LPL 11% (!), bei 1,2 Ohm auf 2,5mm- Dorn.

Eine solche Paralleldraht- Wicklung ist quasi eine DualCoil, bei der die beiden Coils ineinandergeschoben wurden zu einer SingleCoil.
Achtung: Draht-L 56mm ist dabei die Länge des parallel liegenden Drahts.

Man nehme also 2x 56mm= 112mm, falte diesen einmal in der Mitte und erhält dann 56mm, mit denen dann gewickelt wird.
[/i]


So, das war´s erstmal an Theorie.

Im nächsten Teil Nr. 6 wird´s endlich praktisch. Erklärt mit Text und Bildern.

Versprochen… 52
18.02.2015 20:54
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sanphoemo Offline
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Beitrag #32
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Wow60
Ich musste aber aufpassen beim Lesen Blink , ist wie Schule, nur spannender!
18.02.2015 21:34
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Garmin Offline
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Beitrag #33
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Tut mir echt leid, sanphoemo... aber ich wußte nicht, wie ich´s einfacher hätte schreiben können... Leider etwas viel.

Einfach mal ausprobieren... das geht in Fleisch und Blut über.


Nach der zweiten Wicklung hast du´s drauf und wickelst wie ein Profi.

Ich hab´s auch kapiert- und das will bei mir was heißen... und ichbin eigentlich immer etwas schwer von Begriff Unsure

Liebe Grüße
Garmin
18.02.2015 21:51
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sanphoemo Offline
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Beitrag #34
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Nein, nein, Garmin, alles fein! Ich bin nur immer mal wieder einen Schritt zurück und dann wieder vor gegangen beim Lesen, damit ich die Abkürzungen und Unterschiede bei den verschiedenen Wicklungen nochmal vergleichen kann. Ich finds klasse!!!!!
18.02.2015 21:55
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hanzdooom Offline
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Beitrag #35
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
jetzt habe ich appetit auf chilli....Laugh
18.02.2015 22:23
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JPsy Offline
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Beitrag #36
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Klasse geschrieben, man muss die Zusammenhänge ja auch erstmal formuliert bekommen - und das noch so dass die Leute weiterlesen. Danke, gut gemacht imho.
18.02.2015 23:13
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AndreaTami Offline
Süßkramdampferin
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Beitrag #37
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Smile

Nur eine offene Frage:
-> Parallelcoil: Wenn hier ein in der Mitte geknicktes, doppelt liegendes Drahtstück z. B. 6-mal um den Dorn gewunden wird, ist das nicht dasselbe, wie wenn ich einen einfachen Draht 12-mal um den Dorn winde, da beim parallelen Winden doch jedes Mal 2 Windungen entstehen? 6-mal parallel wird doch genauso breit wie 12-mal einfach ... ? Wo ist mein Denkfehler?

Edit: Korr.
19.02.2015 02:00
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petrolhead Offline
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Beitrag #38
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
wenn du den Draht einfach wicklelst, hast du den Widerstand des einfachen Drahtes.
Nimmst du den Draht jetzt doppelt, halbiert sich der Widerstand bei gleicher Windungsanzahl.

Bsp: stell dir das als Wasserschlauch vor. Der ist 20m lang, du willst aber in 10m das Planschbecken füllen und die Gören nerven. Das Becken ist in einer Stunde voll. Hast du zwei Schläuche a 10 m ist das Becken in einer halben Stunde voll und du hast deine Ruhe. Uff!
19.02.2015 09:53
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Shuzz Offline
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Beitrag #39
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Genialer Kurs!

Sehr viel Theorie für den Anfang, aber anschaulich beschrieben.
OK, den letzten Teil muss ich nochmal in Ruhe durchknabbern - dafür freue ich mich tierisch auf den nächsten Teil, weil da sind ja dann endlich Bilder mit drinne... Wink Big Grin

Vielen Dank Garmin!
19.02.2015 11:27
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Osnarianer
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Beitrag #40
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Finde die Einleitung auch gut, da werden einem ja Begriffe an den Kopf geschmissen, so dass Einsteiger erst mal ein Wörterbuch "Deutsch-Dampf" "Dampf-Deutch" benötigt.
Jetzt nicht mehr
Super Beitrag ;-)

korr.
19.02.2015 11:35
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