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Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Garmin Offline
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Beitrag #1
Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Liebe Dampferfreunde und -innen,
vor allem aber liebe Selbstwickeleinsteiger,

in letzter Zeit wurden in vielen Threads hier im Forum durchaus berechtigterweise Fragen von Selbstwickelinterssierten und -einsteigern gestellt, die in anderen Threads bereits ausführlich behandelt wurden.

Dies stellt die interessierten Einsteiger in dieses Thema offensichtlich vor das Problem, die benötigten Informationen mühevoll, zeitraubend und - bei Wahl der falschen Suchkriterien- eventuell erfolglos zusammenzusuchen, wie SWVD- Einsteiger oft berichteten. Ich kenne das auch selbst von meiner Einsteigerzeit…

Daraus entstand die Idee so etwas wie ein „Kompendium des Selbstwickelns“ als Thread zu erstellen, in dem der Einsteiger zusammengestellte Informationen über die Grundlagen des Wickelns (und etwas mehr…) finden kann.

Ich möchte jetzt und hier einfach mal damit beginnen und alle Mitforis herzlich einladen, an diesem Thread konstruktiv mitzuwirken.

Der Thread richtet sich in erster Linie an Dampfer, die bereits ihre ersten „tiefen Züge“ mit ihrem Einstiegs- Starterkit gemacht haben und nun vielleicht den Wunsch nach etwas gehobenerem Dampfgenuß in Form ihres ersten Selbstwicklers haben.

Ich halte es daher für sinnvoll, wenn sich dieser Thread an den „Dampfer mit gemäßigten Leistungswerten unter Benutzung eines geregelten Akkuträgers der Leistungsklasse bis 15 Watt und Coilwiderstände 1,4 bis 2 Ohm“ richtet, da dies Werte sind die problemlos auf allen geregelten ATs laufen.

Ziel ist es, alle Aspekte, Einflußfaktoren und die häufigsten möglichen Probleme beim Wicklungsbau zu beschreiben.
Auf Empfehlungen für Einsteigerverdampfer und ihre Vor- und Nachteile gehe ich in diesem Thread bewußt nicht ein, da dies erfahrungsgemäß zu heftigen Diskussionsketten führen würde, vor denen der Einsteiger genauso rat- und orientierungslos steht wie vor den mehr- als - tausend- Beiträgen- Lemo- und FeV- Threads.
Der Thread soll übersichtlich bleiben, etwaige Fragen zu geeigneten SWVD, Drähten, Watten, ATs, Subohm etc…. bitte ich, wie meist bisher, in gesonderten Threads zu stellen, da sonst der Sinn und Zweck dieses Grundlagen- Threads völlig danebengeht.

Es ist klar, daß hier und da etwas zu tief auf bestimmte Dinge eingegangen wird, auch wenn sie dem einen oder anderen längst bekannt sind, die Kundigen mögen es verzeihen und überspringen. Wir sollten uns aber alle an unsere Einstiegszeit erinnern, als auch wir noch unwissend waren.

Also fange ich mal an. Zunächst die Grundlagen der Dampferzeugung, dann zu einer kurzen unterscheidenden Betrachtung verschiedener SWVD- Verdampfersysteme, zu dampfbeeinflussenden Teilen wie Watte, Coil und Luftdüse, bis hin zur Idee der Microcoil.
Der Thread wird weiter ergänzt werden.

Also ran an die Tasten.
Wer will, der kann- wer kann, der soll auch… hier mitschreiben…

Teil 1:

In diesem Beitrag geht es erstmal um das Grundprinzip der Dampferzeugung ganz allgemein. Ich halte das Verständnis dieser Grundlagen für wichtig bei Fragen, die sich jeder Wickeleinsteiger stellt- war jedenfalls bei mir so…

Liquid wird in einem Docht (bei SWVD meist aus Watte) aufgesaugt.
Dieser Docht steckt in einer Coil aus einem Widerstandsdraht, der eigentlichen Wicklung.
Der befeuchtete Docht benetzt die Coil an der Oberfläche des Drahtes.
Unterhalb (bei z.B. Lemo, Kayfun, Taifun und den meisten anderen SWVD) oder seitlich (z.B. beim FeV) der Coil befindet sich eine Luftdüse, die in einem geringen Abstand von ca. 1-3 mm auf den Außenmantel der Coil gerichtet ist. Diese Luftdüse bezieht ihre Luft aus einer Öffnung im Äußeren des SWVD.
Ist der Durchmesser dieser Öffnung über eine Vorrichtung wie etwa einem Drehring oder einer Schraube verstellbar (dadurch kann u.A. Zugwiderstand und Geschmack beeinflußt werden) so spricht man von einer AFC = Air Flow Control = Luftzugeinstellung.
Das ganze steckt in einer darübergestülpten Kammer die ein Luftrohr an ihrer obersten Stelle über der Coil besitzt, welches mit dem Driptip endet.

Prinzip: Beim Feuern und Saugen am Driptip wird ein Unterdruck im Luftrohr und der VD- Kammer erzeugt.
Dieser bewirkt daß Luft aus der außen am SWVD befindlichen Öffnung durch die Luftdüse hindurch auf den Außenmantel der Coil geblasen wird.
Hierdurch wird 1) die Coil gekühlt, 2) der entstehende Dampf mitgerissen und in der VD- Kammer mit der Luft vermischt, von wo er durch das Luftrohr über der Coil und durch das Driptip in den Mund gelangt.


Hier nochmal zusammengefaßt der „Weg des Liquids“ (klingt ja schon fast Zen- mäßig…) von seiner flüssigen Form bis zum Dampf im Mund in Stichworten:
Liquid (flüssig) - Docht - Coiloberfläche - Erhitzung Coiloberfläche= Dampf - Luftströmung aus Düse, Kühlung, Vermischung - Luftrohr, Driptip - Mund.

Und das war schon alles? Ja- aber genau hier liegt der Haken….

Jeder einzelne dieser Faktoren hat Einfluß auf das Ergebnis- und die Einflüsse beeinflussen sich teilweise gegenseitig… Gleich wird auf diese detailliert eingegangen.

Und dann gibt´s ja außer Liquid, Wattedocht und Coil noch unterschiedliche Funktionsprinzipien und Konstruktionsmerkmale der SWVD, welche ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

Fangen wir mal mit denen an, der Vollständigkeit halber. Im nächsten Beitrag… Teil 2.
16.02.2015 23:10
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Beitrag #2
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Teil 2: Vorstellung verschiedener Funktionsprinzipien von SWVD- Tankverdampfern.

Ganz grob unterteilt sich der Bereich der SWVD- Tankverdampfer in zwei Gruppen: SWVD bei denen der Tank unterhalb der Coil- Konstruktion liegt, und solche bei denen der Tank oberhalb der Coil liegt.

Im ersteren Fall wird das Liquid durch die Kapillarwirkung eines im Tank eintauchenden Dochtes entgegen der Schwerkraft aus dem Tank gesogen (Prinzip Öllämpchen).

Im zweiten Fall wird das Tränken des Dochtes mit Liquid durch die Schwerkraft unterstützt (Prinzip Infusionsflasche am Ständer neben dem Krankenbett, die hängt auch oberhalb der Kanüle im Arm 71 )

SWVD mit Tank unterhalb der Coil (z.B. Arnold, Blackwood, BT…):
Hier ragen zwei sogn. Liquidtransportdochte (Baumwolle, ESS- Mesh- Röllchen, ESS- Seile…) in den Tank, die sich vollsaugen, das Liquid entgegen der Schwerkraft nach oben transportieren und dann das Liquid weitergeben an den eigentlichen, darauf aufliegenden Verdampferdocht. Damit erklärt sich schon von selbst daß hier auch der Saugfähigkeit der Transportdochte und der Viskosität („Zähflüssigkeit“) des Liquids eine besondere Bedeutung zukommt. Leider ist diese auch von der Temperatur des Liquids abhängig… Was jedoch allgemein für wirklich jeden Verdampfer gilt, egal welches Funktionsprinzip.

SWVD mit Tank oberhalb der Coil:
Auch hier gibt es verschiedene Funktionsprinzipien:

Das Unterdruckprinzip (Lemo, Kayfun, etc):
Voraussetzung für gute Funktion ist hier, daß der Tank nicht ganz gefüllt wird. Es muß immer eine Luftblase einer gewissen Größe im Tank vorhanden sein.

Grund: Luft läßt sich ausdehnen und zusammenpressen (Bsp. Injektionsspritze: Luft halb einsaugen, vorne zuhalten, ziehen und drücken geht). - Flüssigkeit dagegen nicht (derselbe Versuch mit halb mit Wasser gefüllte Spritze ohne Luftblase drin: Kein Zusammenpressen und Auseinanderziehen möglich).
Der Tank ist also gefüllt, oben befindet sich aber eine Luftblase. Die Liquidsäule im Tank „saugt“ infolge der Schwerkraft an der Luftblase, dehnt sie etwas aus, hierdurch kann das Liquid über zwei ca. 2mm- große Kanäle unter der Verdampferglocke hindurch (wie beim Hindurchgraben unter einer Mauer im Knast im Kino…) in die Verdampferkammer gelangen- wo es die Verdampferkammer fluten würde, wenn an diesem Ende innen an den Liquidkanälen nicht der Wattedocht anliegen würde, der dieses Liquid auffängt indem er sich vollsaugt.

Damit erklärt sich beinahe von selbst, welche Einflußfaktoren hier wirken:

a) Luftblase muß vorhanden und groß genug sein, sonst kann sich das Liquid nicht infolge der Schwerkraft durch die Liquidkanäle unter der VD- Kammerwandung hindurch „absenken“ und so durch die Kanäle hindurch zur Watte kriechen. Falls Blase nicht vorhanden oder zu klein= Tank zu voll: Kokeln.
b) Die Saugfähigkeit der Watte muß möglichst hoch sein. Watte hat unterschiedliche Stuktur und Saugfähigkeit. Die besondere Eigenschaft der beliebten Muji- Watte ist die Tatsache, daß ihre Fasern sauber parallel liegen, was ihre Saugfähigkeit verbessert, positiv auch ihre Geschmacksneutralität, ihre leichte Verarbeitbarkeit, da sie einfach als Streifen vom Mujipad geschnitten werden kann.

Aber wir sind an der Innenseite in der VD- Kammer am Übergang Kanal- Watte.
Es ist förderlich für den Liquidfluß aus den Kanälen in die Watteenden hinein, wenn letztere sauber abgeschnitten und ihre Enden senkrecht auf die Liquidkanälchen im Inneren aufgestellt werden (Achtung: Keinesfalls in diese hineingedrückt- sonst Verstopfen und Kokeln!), so daß das Liquid in Längsrichtung des Dochtes in diesen ungehindert hineinfließen kann.
Falls die Liquidkanäle jedoch nicht genügend von der Watte bedeckt sind kommt es zum Fluten der VD- Kammer: Siffen.

Warum eigentlich „Unterdrucksystem“? Wub
Weil es zum Einen durch die Schwerkraft zu einem Unterdruck in der Tankluftblase kommt und zum Anderen, wie ganz oben schon erwähnt, das Ziehen am Driptip einen Unterdruck in der VD- Kammer erzeugt, welches nun Liquid durch die Kanäle in die Watte zieht. Die Tränkung der Watte erfolgt quasi „stoßweise“- während des Ziehens am Driptip und auch durch die Tatsache daß sich das Luftvolumen in der VD- Kammer durch die unvermeidliche Erwärmung derselben ausdehnt und bei Abkühlung wieder zusammenzieht- es kommt dadurch insgesamt zu einer Art „Pumpwirkung“- leicht zu sehen an den Luftbläschen, die sich nach dem Ziehen aus den Liquidkanälchen aufsteigend beobachten lassen- ein Zeichen, daß soeben Liquid nachgeflossen ist.

Das "Taifun- Prinzip":
Eine Variante des Kayfun- Prinzips, bei dem sich im Mantel der durch ein Gewinde teilbaren VD- Kammer zwei Löcher befinden, in die der Docht hineingelegt wird. Die Dochtenden ragen 2-3mm aus der Kammer heraus und somit in den Tank hinein, von wo aus sich der Docht direkt vollsaugt.
Die Herausforderung ist hierbei, die geeignete Menge Watte = der geeignete Wattedocht- Durchmesser einzulegen. Zuviel Watte = zu großer Dochtdurchmesser: Watte wird durch die Öffnungen abgeklemmt. Schlechter Nachfluß, Kokeln. Zu geringer Wattedochtdurchmesser: Siffen…

Das "FeV- Prinzip": Am einfachsten zu beschreiben als „Tröpfler mit Tank“. Das System ähnelt einem auf dem Kopf stehendem „SWVD mit Tank unter der Coil“.
Die Wickelbasis enthält nur zwei voneinander elektrisch isolierte Bolzen mit Schrauben obendrauf, mit denen die Coil befestigt wird. Der Wattedocht wird durch die Coil gezogen und liegt auf den Schraubenköpfen auf.

Der Tank besitzt auf der Unterseite zwei Löcher, durch die zwei in der Länge genau zugeschnittene Liquidtransportdochte aus saugfähigen Material (ESS- Mesh- Röllchen, ESS- Wolle, Baumwolle etc.) durchgeschoben sind, diese ragen in die am Tank befindliche Verdampferkammer, die an der Seite eine austauschbare Luftschraube als Düse besitzt.

Wenn dieses System nun über das Unterteil gestülpt wird, wird das Liquid durch die Schwerkraft in die beiden Liquidtransportdochte gedrückt die auf den Wattedochtenden, die ihrerseits wieder auf den Kontakt- Schraubenköpfen liegen, weitergegeben, und der Docht wird durchtränkt.
Herausforderung: Das geeignete Material mit geeigneten Saugeigenschaften in geeigneter Länge für die Liquidtransportdochte finden, das nicht zum Siffen/ Kokeln führt. Zu fester Druck dieser Dochte auf die Watte: Kokeln, zu loser Druck: Siffen möglich…


Diverse „modifizierte obige Funktionsprinzipien“ - SWVD wie z.B. Squape, Erlkönigin:
Ihr Funktionsprinzip ähnelt dem Unterdrucksystem, unterscheidet sich aber trotzdem etwas bzgl. leicht verändertem Liquidtransport zur und durch die Watte zum Docht und ihrer Coilbefestigung sowie AFC- und Luftdüsenanordnung.


Es können bei ungünstigen Einflußfaktoren hauptsächlich folgende Probleme beim Wickeln auftauchen: Kokeln, Siffen, zu wenig Dampf.

Daher gehts jetzt ans Eingemachte- der ganz allgemeine Einfluß der einzelnen Faktoren, in Reihenfolge dieser Liste:

1) Das Liquid: Es muß eine bestimmte, für den SWVD geeignete „Dünnflüssigkeit“ = Viskosität besitzen. Zu flüssig kann zum Siffen neigen (bei SWVD mit obenliegendem Tank), zu zäh eher zum Kokeln, da Liquidtransport zu gering oder zu langsam…
Höhere (Außen-) Temperatur, Sommer z.B.: Liquid ist dünnflüssiger als im Winter…

2) Die Transportdochte:
Ein Fall für sich, sehr speziell und Verdampfertyp- abhängig, weswegen hier leider nicht darauf eingegangen werden kann. Hier sei auf die Tips in den entsprechenden Threads zu den jeweiligen Verdampfertypen verwiesen- sorry.

3) Die Dochtwatte:
Es muß nicht Muji- , Puff- , oder sonstige (ziemlich teure) Spezialwatte sein. Allgemeine Anforderungen sind: Keine Kunststofffaser- Watte, möglichst gute Saugfähigkeit (wird positiv beeinflußt bei möglichst parallel laufenden langen Fasern, möglichst locker, Eigengeschmacks- und Chemierückstandsfrei, geringe Klumpungsneigung, möglichst keine Knötchen drin….), Watte nicht pressen oder zu fest zusammendröseln, Watteenden des fertigen Dochtes mit Schere glatt abschneiden und durch Anschnippen mit Finger oder Dagegenblasen auflockern.

4) Die Coil:
Sie besteht aus speziellem Widerstandsdraht (d.h. der Draht hat, im Vergleich von z.B. Kupferdraht für elektrische Leitungen, einen relativ hohen Eigenwiderstand), rund, meist Kanthal D (vergeßt den Buchstaben, für uns irrelevant), oder NiCr= Nickel- Chrom- Legierung.

Die Coil besteht aus der eigentlichen Wicklung= dem gewendelten Teil, und aus den beiden Enden aus geradem Draht mit denen die Coil an den SWVD- Kontaktschrauben befestigt wird.
Der Wattedocht wird nach dem Wickeln der Wendel durch die Coil hindurchgezogen. Nur an dieser Stelle, an der Coil, wird der Draht mit Liquid benetzt und der Dampf erzeugt.
Die beiden Drahtenden der Coil, rechts und links der Wendel, haben keinen Kontakt zum Docht, werden daher „Freistrecken“ genannt, liegen immer trocken (abgesehen von Liquidspritzern die dort draufspritzen und verdampfen), sie werden ebenfalls vom Strom durchflossen, „verbrauchen“ daher Akkuenergie die am entscheidenden Teil- der Coil nämlich - fehlt und werden ebenfalls erhitzt- sind aber so unerwünscht wie kalter Kaffee, da für den Verdampfungseffekt ineffektiv.
Sie sind, wahrscheinlich durch draufspritzendes und dann mitverdampftes Liquid, oft Ursache für einen üblen Dampf- Beigeschmack „metallischen“ Charakters.
Aber ohne Freistrecken geht es nicht, irgendwie muß der Strom ja in die Coil kommen- daher sollte versucht werden sie a) so kurz wie möglich zu halten (Technik später erklärt unter „Coil wickeln“), b) ihre „Energieverluste“ so gering wie möglich zu halten (später erklärt bei „Benutzung des Coil- Rechners „Steam Engine“), und c) die Coil so zu bauen daß die Freistrecken schön kühl bleiben, d.h. beim Feuern wenigstens nicht mitglühen.

Letzteres ist möglich durch die geniale Erfindung der MicroCoil (MC). Auch deren Anfertigung wird später beschrieben, vorab nur soviel, daß die Coil, die nach dem Wickeln aufgrund der Elastizität des Drahtes immer aufspringt und ihr ein Aussehen wie eine Feder in einem Kugelschreiber verleiht (mit Zwischenräumen zwischen den Drahtwindungen) geglüht und dabei in Längsrichtung mit einer Pinzette zusammengedrückt wird, so daß an der fertigen Coil Windung an Windung aneinander anliegt. Die Microcoil ist daher auch kürzer als die „Standardcoil“ mit Drahtzwischenräumen.

Vorteile MC: Stark vermindertes bis kein Glühen der Freistrecken, Coil glüht regelmäßig und so wie eine Coil beim Befeuern ohne Watte glühen soll- nämlich von ihrer Mitte von innen nach außen gleichmäßig ausbreitend bis die gesamte Wendel glüht, beim Abkühlen dasselbe in umgekehrter Richtung mit gleichmäßiger Helligkeit (eine Standardcoil dagegen glüht oft nicht so gleichmäßig), Watte läßt sich kinderleicht und schnell wechseln, Dryburn möglich (Watte, wenn verbraucht rausziehen, Coil paarmal elektrisch für ein paar Sek. durchglühen was Verkrustungen verglühen läßt, frische Watte reinziehen- fertig). Die Perfektionisten bürsten die Coil nach dem Dryburn noch mit einer Zahnbürste o.Ä. vorsichtig ab. Manche haben eine gut funktionierende Coil monatelang drin und wechseln nur die Watte- da spricht nichts dagegen…

Allgemein gilt: Der Wattedocht dient nur der Liquidzufuhr.
Die Dampferzeugung dagegen findet ausschließlich an der Oberfläche des Drahtes der heißen Coil statt.

Daraus folgt: Wer mehr Dampf haben will, muß die Oberfläche der Coil vergrößern, d.h. die Gesamtoberfläche des Drahtes aus dem die Coil gebaut ist. Entweder durch dickeren Draht und längere Coil, oder durch Dual Coil = 2 Coils in einem SWVD, parallelgeschaltet (dadurch wird übrigens der Gesamtwiderstand halbiert, während sich die Gesamtoberfläche beider Coils verdoppelt), falls für DualCoil zu wenig Platz ist oder Luftdüse zu klein um beide Coils gleichzeitig anzuströmen: Paralleldraht- (2,3,4… Drähte parallelgelegt pro Umwicklung um Wickeldorn) oder -Zwirbel- (2,3,4… Drähte eng verdrillt als Draht benutzen), -Flecht- (3,4 Drähte miteinander verflochten als Draht) - Wicklung…, oder- z.Zt. sehr „in“- die „Clapton“- Coil z.B…. neben vielen anderen „Kreativwicklungen“, die aber mit einem gewissen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden sind.

Und die sich so mancher Psychiater sicherlich rot und mit Ausrufezeichen in der Krankenakte seines Patienten vermerken würde- es sei denn der Doc ist selber Dampfer, dann würde er sicher beginnen zu fachsimpeln und mitzuwickeln…

Wir bleiben hier aber bei der guten alten Einzeldraht- Wicklung.

Weitere Anforderungen an die Coil:
Sie sollte einen Abstand von 1-3 mm zur Luftdüse haben,
sollte auf gesamter Länge und Durchmesser von der Luft aus der Düse angeströmt werden (anders ausgedrückt: Sollte mitten im Luftstrom liegen. Geringfügig größer und länger geht noch, da sich der Luftstrom etwas auffächert.),
sollte daher in Länge und Außendurchmesser dem Durchmesser der verwendeten Luftdüse angepaßt sein.

Faustregel: Abstand Luftrohr- Coil kleiner: Geschmacksintensität hoch, „Hit“ schwach.
Abstand Luftrohr - Coil größer: Geschmacksintensität geringer, dafür verstärkt sich der „Hit“.

(Damit ist jenes kratzige Gefühl in Hals/Kehle/Lunge, das an das das Inhalieren von Tabakrauch erinnert- heute meistens als „Flash“ bezeichnet, wobei der „Flash“ eigentlich ursprünglich den „Nikotinkick“ im Gehirn bezeichnet. Heute wird „Flash“ und „Hit“ jedoch meist synonym verwendet).

Weiter gehts im Teil 3: Der Einfluß der Luftdüse auf den Dampf. Bis demnächst also….
17.02.2015 00:05
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Sheevamum Offline
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Beitrag #3
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Gefällt mir! Abonniert Big Grin Danke! Wink
17.02.2015 00:08
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Jossy80 Offline
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Beitrag #4
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
wow! top zusammenfassung Super
da hast du ja einen haufen zeit investiert!
hoffe nur, dass der thread nicht irgendwo in der versenkung verschwindet und ihn einsteiger auch wirklich nutzen, bei der mühe, die du dir gemacht hast!
17.02.2015 00:12
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Ladana Offline
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Beitrag #5
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
44 Du hast Dir da wirklich viel Mühe gemacht. Das ist ein toller Bericht Shakehands

Man sollte den Bericht anpinnen, damit er nicht in der Versenkung verschwindet.
17.02.2015 00:20
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orka68 Offline
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Beitrag #6
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Auch ich abonniere!
Danke für die Mühe die du dir gegeben hast.
Freue mich auf mehr!Rolleyes
17.02.2015 00:23
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Stardust_ Offline
Andrew sagt:
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Beitrag #7
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Cool, für Einsteiger super! Vielleicht noch ein einfacher Zusatz zur Parallelcoil (Dualcoil). Eine Parallelcoil aus z.B. 0,25er Kanthal hat bei gleichen Widerstand zu einer Single Coil aus 0,5er Kanthal den Vorteil schneller anzuspringen. Das ist für mich einer der wichtigsten Gründe überhaupt Parallelcoils zu nutzen.

Edit: Anpinnen des Themas fände ich auch gut.
17.02.2015 00:40
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Garmin Offline
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Beitrag #8
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
Teil 3: Die Luftdüse und ihr Einfluß auf den Dampf

Wenn Luft durch ein sich verengendes Rohr strömt, nimmt ihre Geschwindigkeit mit kleiner werdendem Rohrdurchmesser zu.
D.h.: Je enger das Rohr, desto höher die Geschwindigkeit der austretenden Luft.
Beispiel Injektionsspritze, aufziehen mit Wasser, vorne Durchmesser 2mm, Strahl nicht besonders weit und kräftig. - Dasselbe nochmal, aber mit draufgesetzter 0,8 mm- Kanüle: Spritzt viel weiter bei gleichem Druck, da Geschwindigkeit des Strahls viel höher. Aber Strahl auch dünner…

Die Luft, die aus der Luftdüse auf die Coil trifft hat zwei Aufgaben:
a) Sie kühlt die Coil (das Liquid in der Watte leistet ebenfalls seinen erheblichen Anteil bei der Kühlung, deswegen kokelt es wenn der Tank leer ist…), daher ist klar warum die Coil mitten im Luftstrom liegen und nicht wesentlich länger als der (aufgefächerte ) Luftstahl sein soll,
b) sie reißt den Dampf von der Coiloberfläche mit und verwirbelt ihn. Je dünner = „schärfer“ = höher die Strömungsgeschwindigkeit = je enger die Luftdüse, desto feinverteilter die Dampfpartikel, was die Geschmacksintensität positiv beeinflußt.
Nachteil: Desto kleiner muß die Coil sein, denn sonst wird durch den engen Luftströmungskegel nur ein Teil der Coil gekühlt- was zum Kokeln führen kann… und desto höher der Zugwiderstand… desto geringer die Dampfmenge.
Hier sieht man daß es keine allgemeingültige Antwort auf Fragen gibt wie: Welchen Durchmesser soll mein Luftröhrchen haben (beim Taifun GT z.B.), welche Luftdüsenschrauben- Durchmesser brauche ich (an meinem FeV z.B.) — Auf welchen Durchmesser soll ich meine AFC einstellen… weil das so ein typisches Beispiel für Faktoren sind, die sich gegenseitig beeinflussen- was wiederum nur durch Experimentieren und Erfahren (daraus entsteht Erfahrung)… herauszufinden ist.

Jedenfalls sollte die engste Stelle für die Luft auf ihrem Weg von dem Luftloch an der VD- Außenseite bis zu ihrem Austritt aus der Luftdüse genau an der Austrittsöffnung aus der Luftdüse sein, da dann die Coil mit der maximal möglichen Luftströmungsgeschwindigkeit angeblasen wird.

(Exkurs: Damit erklärt sich auch, warum die AFC der Lemo oft zu Problemen führt. Die Lemo mit ihrer Riesenluftdüse und der darunterliegenden AFC- Schraube funktioniert bei niedrigeren Leistungen von ca. 12 - 18 Watt eher schlecht: Geschmacksintensität nicht besonders kräftig, der Versuch die AFC zuzudrehen zeigt kaum Wirkung…. Grund: Wenn die AFC- Schraube zugedreht wird, liegt die engste Stelle des Luftwegs unter der Düse nicht an der Düsenspitze direkt unter der Coil, sondern viel tiefer, in der AFC- Schraube…. Das, worauf es ankommt- die Erhöhung der Strömungsgeschwindigkeit in diesem Luftweg - findet weit unten in der AFC- Ringschraube statt und nicht an der Luftdüsenöffnung, wie es sein sollte…- Wenn dagegen die Luftdüsenöffnung z.B. durch ein eingesetztes ESS- Röllchen verengt oder die Lemo wie bei meinem Umbau im Bastelthread des ERF beschrieben modifiziert wird, stimmen die Strömungsverhältnisse wieder, und die AFC funktioniert. Folge: Bessere Geschmacksentfaltung, aber auch etwas erhöhter Zugwiderstand…. Gleiches geschieht beim Dampfen der Lemo mit hohen Strömungsgeschwindigkeiten bei Open Draw und höheren Leistungen: Schnelles Ziehen direkt auf Lunge verbessert die Strömungsverhältnisse im Vergleich zum Backenzug. Daher ist die Lemo aufgrund ihrer Original- Bauweise eher ein geeigneter SWVD für Direkt- in- die Lunge- Zieher als für Backenzieher.)

Dasselbe gilt, wie ich es aufgrund einer Erfahrung bei meinem Lemoumbau vermute, für das Luftrohr über der Coil. Dessen Durchmesser hat auch einen Einfluß. Wenn man den Lemo mit dünnerem Driptip dampft, z.B. dem vom Taifun GT, gewinnt er etwas an Geschmacksintensität.
Also habe ich dem Lemo zusätzlich noch eine Verengung in das Luftrohr eingesetzt, und dann wurde er richtig geschmackvoll- lecker und kann dreimal so teuren SWVD durchaus geschmacklich das Wasser reichen.

Aufgrund dieser Luftzug- Experimente vermute ich, daß eine Backenzug- geschmacksorientierte Kombination eines SWVD auf eine kurze Faustregel gebracht etwa so aussieht:
Enge Luftdüse, ca. 1,6mm, etwas weitere Luftrohrverengung als das Luftröhrchen, ca. 3 mm.
So ähnlich sind auch die Verhältnisse z.B. im Taifun GT, der für meine Zunge auch ein wahres Geschmackswunder ist- wobei auch hier natürlich noch andere Dinge eine Rolle spielen, ich vermute daß auch die Tatsache, daß die Coil beim Taifun quasi in der Mitte der VD- Kammer hängt und die Luftdüse nicht versenkt, sondern ein recht weit herausstehendes Röhrchen ist so daß unter der Coil einiges an Platz bleibt (Verwirbelungsraum?) eine Rolle spielt für den äußerst feinstrukturierten, sich fast trocken anfühlenden, cremigen Dampf des Taifun. Beweisen kann ich´s nicht… Unsure
Wen´s interessiert, die Umbauanleitung steht im Thread „Lemo düst auf Überholspur: Anleitung zum Umbau“ im Bastelteil des ERF.

Da war jetzt viel Blabla dabei an dem man auch wenig beim Wicklungsbau ändern kann- aber ich habe das alles mal aufgezählt, weil es ja eben alles geschmacklich, kühl- und anströmungsmäßig auf die gebaute Coil zurückwirkt… zum besseren Gesamtverständnis und der Vollständigkeit wegen.

Vor dem ersten Wickeln stellt sich häufig (nee, eigentlich immer…) die spannende Frage: Welchen Draht? Welches Material, gewünschter Widerstand, Durchmesser, sich daraus ergebende Drahtlänge, Wickeldurchmesser und sich daraus ergebende Anzahl der Windungen und Coillänge, gewünschte Leistung in Watt….
Glücklicherweise gibt es dazu wunderbare Coilrechner, mein Lieblingsrechner ist die schon erwähnte „Steam Engine“, da diese alles berechnen kann und keine Wünsche offen läßt. Sogar ein Rechner für´s Ohmsche Gesetz ist enthalten, und wer Lust hat berechnet sich mit dem Ding sogar den maximalen Stromfluß seines verwendeten Akkus bei einer bestimmten Leistung, sowie die voraussichtliche Laufzeit des Akkus in Minuten bis zum nächsten Nachladen…

Aber auch zum Wickeln braucht man außerdem noch eine sehr überschaubare Menge an Werkzeugen:

Nötig:
-Coildraht (Empfohlen: Kanthal D), Durchmesser wird nachher berechnet…
-Einen Wickeldorn (Durchmesser zwischen 1,3 bis 3,5 mm, Durchmesser wird ebenfalls gleich berechnet. Mittelmaß: 2,5 mm. Kann man alles Mögliche dazu nehmen, ich nehme gern den Schaft eines Spiralbohrers, es geht auch ein Nagel, Zahnstocher, Kugelschreibermine, Plastikmittelteil eines Ohrenstäbchens, Häkelnadel…. Hauptsache Durchmesser paßt).
-Passender Schraubendreher für die Coildraht- Befestigungsschrauben
-Pinzette zum Zusammendrücken der Coil beim Glühen, falls MC gebaut wird
-Watte
-Schere
-Scharfer spitzer Seitenschneider (ich nehme allerdings einen Nagelknipser, geht prima)
-Ein Fläschchen Liquid zum Wattetränken nach dem Wickeln
-Küchentücher oder Papiertaschentücher zum Liquid abwischen.

Empfohlen:
-Ein Mini- Gasbrenner mit scharfer, blauer Flamme, vielleicht schon in der Küche verwendet zur Herstellung von Creme Brulee, ansonsten gibt´s die Dinger für ca. 10 Euro in jedem Baumarkt oder im Tabakladen. Erleichtert das Coilglühen, muß aber nicht unbedingt sein.
-Ein oder zwei Pinzetten, schön spitz.

Das war´s auch schon an benötigtem Material…

Demnächst geht´s weiter mit dem Kennenlernen und der Verwendung der „Steam Engine“, incl. Übersetzung Englisch- Deutsch.

Hier schon mal der Link:

Steam Engine

Ich lach mich tot... "Safari", der Browser im Mac, bzw. Google zeigt mir an, daß er das Ding auch auf Deutsch übersetzen kann. Hab ich eben probehalber gemacht, und die Angaben in den Feldern sind einigermaßen brauchbar übersetzt... Aber unter "Einrichten zeigt mir das Ding dann "Dreibettzimmer- Spule" an... ich mach mir in die Hose, Hilfe....
Sachen gibt´s... GroehlLol

Weiter gehts demnächst mit Teil 4 unter dem Motto: „Die Coil: Aufzucht und Pflege mit der Steam Engine“…. oder so… Big Grin

Morgen geht´s wie versprochen weiter...
Ich geh jetzt erstmal duschen, Hose wechseln Mad und dampfen...

Dreibettzimmer- Spule, das haut einen um...
17.02.2015 00:47
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sanphoemo Offline
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Beitrag #9
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
AbonniertBig Grin
Klasse, Garmin! Sehr schön, dass hier grundlegende Prinzipien und Funktionen erklärt werden. Das hätte mir viel Suchen erspart;)und euch doofe Fragen Cool

Ich freue mich schon auf mehr und ernenne dich zu einem meiner beliebtesten ErklärbärenKnuddel5
17.02.2015 00:51
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Garmin Offline
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Beitrag #10
RE: Einsteigerkurs ins Selbstwickeln
42 Stardust! Genau so stell ich mir das vor: Rein damit mit Ergänzungen und Tips, einer allein kann und soll das nicht wuppen, schließlich sitzen wir hier alle im gleichen Boot... ein Tread von vielen für viele. Klasse, vielen Dank, freue mich sehr....

Liebe Grüße
Garmin

ÄH....Weiß jemand wie das mit dem Anpinnen funktioniert?
17.02.2015 00:54
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